Kommentar: Ein Trainingslager und die Politik

Dienstag, 20. Januar 2015

RB Leipzig ist in Katar und fühlt sich scheinbar pudelwohl. Schon seit Verkündung kochen dazu Emotionen hoch, wie auch bei den dort trainierenden Bundesligaclubs. Nun gab Rangnick darauf ein Kommentar das nach der Vorstellung die für Trainingslager angelegt wird, auch viele andere Großereignisse im Sport wie jede Menge Olympia Veranstaltungen nicht hätten stattfinden dürfen.

Natürlich kocht auch da die allgemeine moralische Seele, schließlich hat man Katar spätestens seit der WM den Stempel "böse" aufgedrückt.

Ja, in Katar laufen gerade hinsichtlich der WM Verhältnisse, die man in Deutschland bei Stadionbauten sicher nicht finden würde. Und ja, hinsichtlich der hier hart erkämpften Rechte steht Katar für westliche Verhältnisse nicht sonderlich gut dar. Doch das trifft auch auf andere zu. Fragen wir doch einmal die Vereine, die in der Türkei ihr Trainingslager aufgeschlagen haben nach den dortigen Menschenrechten und der dortigen Presse- und Meinungsfreiheit. Wahrscheinlich haben Sie etwa keine Meinung dazu oder eine politisch neutrale.

Wir pflegen im Westen Europas ein sehr hohes Maß an Stolz auf unsere Moral, auf unsere Freiheit, auf unsere Rechte und dies sicher nicht zu Unrecht. Aber seien wir ehrlich, selbst bei Betrachtung anderer europäischer Staaten wird dort schon nicht selten die Nase gerümpft weil das ein oder andere Merkmal nicht an unsere Bedingungen heranreicht. Der Rest der Welt hat quasi gleich verloren.

So könnten wir jetzt sicher sagen "Unterstützen wir keines dieser Länder" und bleiben einfach hier. Spielen wir nur in Westeuropa, schlagen wir unsere Trainingslager nur in Westeuropa auf und wenn wir einmal dabei sind, spielen wir doch jede WM in irgendeinem westeuropäischen Land. Errichten wir am besten gleich eine Mauer, wenn nicht phyisch, dann im Kopf. Was interessiert uns die Welt, wenn es hier doch so schön ist.

Ja das könnten wir tun, ABER WIR SOLLTEN ES NICHT!

Fußball ist ein universelles Medium, Fußball bringt Menschen zusammen, Fußball weckt Hoffnungen, transportiert Emotionen. Wenn die Menschen im Stadion oder an irgendeinen Bolzplatz dieser Welt mit ihrer Mannschaft jubeln oder leiden, dann stehen Menschen mit völlig unterschiedlichen Einstellungen zusammen, mit völlig gegensätzlichen politischen Präferenzen, mit völlig unterschiedlichen sozialen Status und trotzdem vereint sie alle in diesem Moment eines, der Fußball.

Wenn Menschen mit leuchtenden Augen an Trainingsplätzen stehen oder sich wie kleine Kinder über ein Autogramm oder ein Foto mit einem Fußballer freuen, ist es für einen Moment egal, ob es der Slum in Südamerika ist oder das Luxusviertel in einem der Emirate. Jeder hat das Recht auf Fußball und jeder auf der Welt hat das Recht auf diese Emotionen.

Nein, die Vereine haben nicht nur das Recht ihr Trainingslager überall aufzuschlagen, sie haben die Pflicht den Fußball in die Welt zu tragen.

Es gibt einen Grund warum jene die den Krieg und das Leiden von Menschen auf der Welt als Ziel haben, den Fußball bekämpfen. Der Fußball transportiert wo immer er sich befindet, das Gefühl der Freiheit. Er zeigt, das Unterschiede nicht das entscheidende sind, sondern die Gemeinsamkeiten,

Fußball behebt sicherlich nicht alle Probleme und muss auch nicht den Blick auf jene verklären, aber mehr Fußball würde die Welt zu einer besseren machen, daran habe ich keinen Zweifel!

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