Kommentar: Ausgliederung

Dienstag, 2. Dezember 2014

Die Ausgliederung ist beschlossene Sache und das beschwichtigende Hauptargument ist simpel: "Das machen ja alle anderen auch". Aber auch ohne dieses, hätte es wohl kaum kritische Stimmen in der Fanbase gegeben. Zu gering ist die Nähe zu der Änderung, zu gering sicher auch der Bezugspunkt zu den Strukturen.

Dabei steht eher eine Hoffnung auf Öffnung der Mitgliederseite im Vordergrund und sollte die in irgendeiner Form kommen, wird man wohl die gleiche Argumentation vernehmen, wie sie in so ziemlich allen Profivereinen mit angebundenen Kapitalgesellschaften der Fall ist. "Nicht so schlimm, der Verein hat schließlich das Mehrheitsstimmrecht".

Das ist vordergründig schön für den ausgliedernden Verein, nützt aber maximal bis zum Verkauf von Anteilen etwas. Der grundlegende Unterschied besteht nun einmal dadurch, dass Kapitalgesellschaften im Gegensatz zu Vereinen handelbares Gut sind. Anteile, Übernahmemöglichkeiten, alles Mittel die jeden möglichen Investor oder Anteilsnehmer sicherlich zugutekommen. Dagegen sind die Möglichkeiten in einem eingetragenen Verein für Beteiligungen fast schon lächerlich gering.

Natürlich kann man wie in Leipzig versuchen, möglichst großen Einfluss auf Entscheidungsebene zu führen, die Besitzverhältnisse bleiben jedoch klar und gehandelt kann damit schon gar nicht werden. Ein Verein ist nun einmal ein eher ideell orientiertes Konstrukt.

Fans anderer Vereine werden jetzt sicher einwenden, dass dies alles nicht so schlimm ist, da der Verein sich im zugrunde liegenden Vertrag meist das Vorkaufsrecht zusichert, falls ein Anteilseigner seine Anteile abstoßen möchte. Doch man nehme es mir nicht übel, in den meisten Fällen ist dies eine völlig abwegige Vorstellung. Das ein Verein, der nur noch einen Bruchteil eines Bruchteils der Einnahmen in sich vereint, die Mittel akquiriert um bei Profivereinen Anteile zurück zu erwerben deren Wert schnell viele Millionen erreicht, ist gelinde gesagt unwahrscheinlich.

Und überhaupt, was passiert denn nach der 20 Jahre Frist, die als Ende des 50+1 Systems definiert wurde? Dies wird man wohl in einigen Jahren vermehrt beobachten können. Selbst bei Vereinen die momentan 100% an Stimmrechten in der Kapitalgesellschaft besitzen, werden langjährige Sponsoren anklopfen und ihr Interesse anmelden. Und dies wahrscheinlich mit hohem finanziellen Nachdruck.

Sollte man nun Angst vor der Zukunft haben? Nein, aber man sollte im Hinterkopf behalten, wie gravierend sich eine Ausgliederung langfristig auswirken kann. Im Fandasein denkt man gern an das "Hier" und "Jetzt" und vergisst das sich dieses eher in Jahrzehnten misst. Und auch bei Rasenballsport Leipzig, mit einem großen Sponsor und sicher auch in irgendeiner Form späteren Anteilseigner in der Kapitalgesellschaft kann man, wenn man ehrlich ist, nicht im geringsten wissen, was in Jahren oder gar Jahrzehnten an Interessen vorherrscht.

1 Kommentar :

  1. Hallo RBLObserver, wir suchen nen RBLeipzigExperten. Magst Du Dich mal bei uns melden? Wäre supi! Literaturagentur Brinkmann, München

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