Kommentar: Ein Aufstieg für die Fans

Montag, 9. Mai 2016

(2010)
©Red Bull GmbH and GEPA pictures GmbH

Der Aufstieg ist geschafft und damit ist natürlich auch ein einzigartiger Moment in der Geschichte des Vereins erreicht. Man kann stolz auf das erreichte sein und alle Beteiligten werden wohl ausgiebig gewürdigt werden, von den Medien, von der Stadt und der Region und natürlich auch von den Fans.
Doch gerade auf die Entwicklung der Fanbase kann man am meisten stolz sein. Wenn man die Fans großer Bundesligavereine über ihre Fankultur schwadronieren hört, kommt immer gern das Argument, das man mit seinem Verein ja schon alle Höhen und Tiefen erlebt hat.

Schaut man dann auf die sportliche Entwicklung eben jenes Vereins, meinen Sie damit nicht etwas Insolvenzen, bei denen der Verein in die Brüche ging oder weite Abstiege in den Amateurfußball. Nein, meist ist damit gemeint, dass man doch tatsächlich mal in der Abstiegszone war, in der höchsten Spielklasse versteht sich. Vielleicht ist man auch, so hart es klingt, ein Jahr abgestiegen und hat dann direkt die 2. Bundesliga aufgemischt.

Ich frage mich immer, wie sich diese Fans 2009 bei RB Leipzig gefühlt hätten. Mit einer kleinen Gruppe Verrückter in der 5. Liga. Bei Plichtspielen gegen U23 Mannschaften und Orte, wo nicht einmal das Navigationssystem des Autos hinfahren möchte. Ohne die Möglichkeit, in großen Stadien zu reisen, ja sogar ohne die Tatsache, selbst erst einmal eines zu haben. Oder auch noch die Jahre später in der Red Bull Arena. Ein Stadion, lange Zeit nur wenig gefüllt, wo jeder Anwesende fast schon seine eigene Sitzreihe hätte haben können. Wie hätten sie reagiert, als kleine Mannschaften oder immer noch einige U23 Teams dort als Sieger vom Platz gingen und sämtliche Aufstiegshoffnungen die ersten Jahre zunichte machten. Wahrscheinlich wünschten Sie sich die Luxusprobleme ihrer Bundesligisten zurück oder würden verzweifeln.

Nun, die RB Leipzig Fans sind nicht verzweifelt. Die Fanbase wuchs sogar in den Jahren, in denen Aufstiege scheiterten rapide. Was die Fans schon 2009 antrieb, war sicherlich die Hoffnung, die Hoffnung, irgendwann einmal bis in die 1. Bundesliga geklettert zu sein. So absurd weit weg es teilweise schien und auch wenn viele sicherlich wenig Verständnis in ihrem Bekanntenkreis bekamen.

RB Leipzig Fans waren jene, die aus irgendeinem Grund fast schon trotzig zu einem Verein standen, der viel wollte, aber noch wenig erreicht hatte. Es waren die, die unbeeindruckt des Hasses und der Missgunst, die ihnen gerade in den ersten Jahren massiv entgegenschlug, stolz ihre Vereinsfarben trugen.

Und nun ist der Moment da. Der Aufstieg in die erste Bundesliga ist geschafft. Und nicht nur das das Stadion gut gefüllt ist, sogar die Stadt erstrahlt in den Vereinsfarben. Lokale Unternehmen gratulieren, Promis rennen mit Fanschals herum, irgendwie scheint jeder nun mitmachen zu wollen.

Aber egal wer und wie lange er schon dabei ist, jeder RB Fan kann heute stolz auf sich sein und nun entspannt die Saison ausklingen lassen und dann ebenso entspannt die erste Saison in der höchsten Spielklasse genießen. Oder sich direkt neue Ziele setzen.

(2016)
©Red Bull GmbH and GEPA pictures GmbH

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