Evolution des Kapitals

Dienstag, 4. März 2014

kaum etwas wird momentan so viel im Fußball diskutiert wie die Dominanz der Spitzenclubs. Nicht nur das Bayern München gefühlt jeden Gegner besiegt als wäre es ein Trainingsspiel, nein auch international kassieren gerade die deutschen Mannschaften teils horrende Niederlagen.

Schnell drehen sich die Diskussionen dabei um die Finanzen, die aufklaffende Schere von arm und reich, die man so ziemlich auf alles ansetzen kann was einem gerade nicht passt. Gewinnt irgendein Verein mit guter Finanzlage, muss unbedingt etwas reguliert werden. Verliert ein jener, dann hat sich der "wahre" Fußball durchgesetzt.

Nun zumindest bei den Vereinsverantwortlichen ist der Hintergrund des Finanzthemas schnell ausgemacht, allgemein will man selbst einfach mehr Geld, mehr ist immer gut und wenn man sich am Ende das Gehalt erhöhen kann. Vordergründig geht es natürlich um Gleichberechtigung, um die Chancen aller auf alles, um die Stärkung der kleinen gegen die großen, am liebsten in ganz Europa. Niemand würde wohl sagen das man selbst einfach aufholen möchte und einem der Rest der Gegner, ob im In- oder Ausland eigentlich ziemlich egal ist. Klingt einfach nicht gut.

Die entscheidende Frage ist jedoch, würde mehr Geld für alle etwas ändern?

Nehmen wir einmal die aktuelle Situation in der Bundesliga. Die Bayern marschieren mit mittlerweile 21 Punkten Vorsprung vorn weg, deklassierten den Tabellenvierten Schalke gerade erst mit 5:1. Hört und liest man die Reaktionen scheint dies mit dem Kapital ein Selbstläufer zu sein.

An dieser Stelle frage ich mich immer, was die anderen mit mehr Geld überhaupt anstellen würden. Vergleicht man die Bedingungen drumherum quasi die Infrastruktur, ist bei den Vereinen der großen Ligen alles auf sehr hohen Niveau, daran kann es demnach kaum liegen. Würde man einen Top Trainer holen? Vielleicht, aber ohne einem der Trainer zu nahe treten zu wollen, kein Trainer dieser Welt erfindet wirklich das Rad des Fußballs neu und löst solche Unterschiede aus. Bleiben noch die Spieler.

Wahrscheinlich ist das der Punkt wo einige aufspringen würden und rufen "Ja mit dem Geld würden wir uns eine Mannschaft wie die Bayern zusammenkaufen, oder wie die von Real". Nun an dieser Stelle muss man sagen das die Top Klubs sicher auch die besten Spieler ziehen, doch war das früher anders? Die Bayern Elf von 2000/2001 galt lange Zeit als beste des Vereins überhaupt. Mit Fußballgrößen wie Kahn, Effenberg, Scholl, Sergio, Elber, Jeremies und vielen anderen war man Top besetzt. Jeder Spieler hätte wohl auch schon damals jeden Vertrag zerrissen und jede Ausstiegsklausel gezogen wenn die Bayern angefragt hätten.

An diesem Punkt sei auch gesagt, das man es keinem Spieler verübeln kann. Als Fußballer ist die Zeit die man hat, um genügend Geld zu verdienen und vielleicht sogar für eine Karriere nach der aktiven Laufbahn zu sorgen, sehr begrenzt. Und gerade mit ein paar Titeln im Rücken wird man nach seiner Laufbahn durchaus gern als Experte eingeladen, hat Chancen als Funktionär, im Fußballmanagement oder stützt damit einen Beginn in die Trainerlaufbahn. Ist man dagegen einfach nur endlos lang bei einem Verein ohne die großen Erfolge, kann man dort vielleicht noch direkt einen Posten ergattern, bekommt man den nicht, hat man oft ein Problem.

Aber zurück zum Thema. Die Top Vereine (auch international) ziehen demnach schon immer die Top Spieler und stellen sich einen Wunschkader zusammen. Trotzdem gewannen die Münchener bekanntermaßen in der Saison 2000/2001 nur knapp mit 1 Punkt die Meisterschaft.

Wenn es demnach nicht die Möglichkeiten der Top Vereine sind, was hat sich dann verändert? Nun meiner Meinung nach zwei Punkte. Zuerst befinden wir uns in einer Zeit in der die Stars von heute noch ganz andere Qualitäten haben als die Stars von damals. War es damals der geniale Pass, die Zweikampfbilanz oder auch nur die Präsenz auf den Platz, sieht man heute Spiele gerade auch in der höchsten internationalen Spielklasse bei denen einzelne durch die Reihen des Gegners marschieren als wären sie Statisten. Und wir reden dabei von Profifußballern, die eigentlich selbst für Millionen gehandelt werden. Dieser Leistungsunterschied auf höchstmöglichen Niveau ist teilweise schon erstaunlich.

Ein viel größeren Einfluss hat aber wohl die international wesentlich breitere Konkurrenz. War früher der Pool für die Kandidaten hinter den Top Clubs doch recht überschaubar, ist das Feld der Mannschaften die ihre Ligen nicht dominieren aber im Feld dahinter um internationale Plätze mitspielen grösser geworden. Wenn man nun davon ausgeht das der gesamte Pool an qualitativ hochwertigen Profis nicht grösser geworden ist, dürfte sich die Qualität dahinter doch sehr verwaschen.

Mit anderen Worten gibt es heutzutage nicht mehr wirklich die Top Mannschaften, die Mannschaften knapp dahinter und weitere Abstufungen sondern eher die Top Mannschaften Europas und den Rest.

Dieser Argumentation folgend ist die eingangs erwähnte, gern argumentierte Stärkung aller in Europa wohl eher kontraproduktiv, denn selbst bei gleichen finanziellen Möglichkeiten würden die besten Spieler weiterhin die Vereine bevorzugen, wo es am ehesten Erfolge zu feiern gibt. Während der Rest keine Möglichkeit hat jemals zu kontern, da jeder Teilnehmer gleichermaßen in seinen Möglichkeiten profitieren würde.

Im Endeffekt wäre genau der andere Weg ein erfolgreicher. Mehr Mannschaften auf Top Niveau oder knapp dahinter, was am Ende jedoch automatisch eine Schwächung des Rests bewirken würde, natürlich in der Annahme, die Anzahl der Spieler auf Höchstniveau steigt nicht gleichermaßen. Ich persönlich fände es erfrischend dahingehend einmal eine Aussage von Vereinsverantwortlichen zu hören. Aber das klingt wie erwähnt natürlich nicht so gut.

"Lass uns die deutschen (oder auch den eigenen) Vereine stärken, damit wir den Rest Europas dominieren" zum Beispiel. Hat natürlich dann auch nichts mit Fair Play zu tun. Oder mit "gleichen" Möglichkeiten. Aber wäre zumindest ehrlich.

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