Tiki-Taka

Montag, 6. April 2015

Das Spiel gegen Nürnberg ist vorbei und man konnte einen Sieg erringen. Nun wird viel diskutiert, wie die zwei so unterschiedlichen Hälften zustande kamen. Jedes Mal wenn ich unsere Mannschaft so spielen sehe wie in Halbzeit 1 muss ich gezwungenermaßen an die WM 2010 denken und an eine Fußballtaktik, die es zum Lieblingswort der deutschen Presse schaffte: Tiki-Taka Fußball.

Der Spielstil ist vor allem dadurch geprägt, das eine Mannschaft den Ball zirkulieren lässt, eine möglichst schnelle Art des Kurzpassspiels praktiziert. Sicherlich wird es dem damals favorisierten System der Spanier nicht völlig gerecht, die das Kurzpassspiel in den eigenen Reihen nicht nur nach vorn, sondern auch einmal rein für Ballbesitz in den hinteren Reihen praktizieren. Doch gemein ist beiden Spielweisen, das man versucht durch möglichst viele, kurze Ballberühungen den Gegner zu umspielen und in einer ungeordneten Situation zu erwischen, sich Freiräume zu schaffen.

Die erste Halbzeit erinnerte nicht ohne Grund stark an das Spiel gegen Aue. Viele Bälle wurden direkt weiter nach vorn gegeben, ob da nun wirklich jemand eine Chance hat ihn zu bekommen oder nicht. Das geht so weit, das man sich teilweise fragen muss, mit welchen übermenschlichen Kräften der passende Spieler, die Zone, in die er den Ball spielt, denn überhaupt im Blickfeld haben konnte, um eine Möglichkeit zur erahnen. Vielleicht müsste man für die Leipziger Abwandlung ein neues Wort kreieren, nennen wir es mal Extrem-Tiki-Taka.

Denn was sich wohl nicht einmal die Spanische Nationalmannschaft trauen würde, geht auch bei Leipzig in den wenigsten Situationen gut. Auf eine Situation, in der ein offensiv agierender Spieler durch den schnellen Raumgewinn bei permanenten "nach vorn schlagen" doch einmal an den Ball kommt, kommen viele, in denen man den Ball direkt an den Gegner verliert. Macht man dies zu häufig hintereinander, lädt man den Gegner zu einer Sturm und Drangphase förmlich ein.

Vielleicht denkt der ein oder andere mittlerweile, es gehöre zum System so zu spielen, doch dabei denke ich gern an ein Video zum Spielsystem, das den Fördermitgliedern auf der Mitgliederversammlung gezeigt wurde und auf das Ralf Rangnick durchaus stolz war. "Das Spielsystem von A-Z". Und nein, es kam zu jedem Buchstaben nicht nur 1 taktisches Element. Trotzdem schloß nichts darin Ballkontrolle oder Ballbesitz aus. Ganz im Gegenteil. Viele taktische Elemente sind ohne genug Ballbesitz nicht einmal denkbar.

Besser sah es im Spiel gegen Nürnberg immer dann aus, wenn man das Kurzpassspiel geordneter vollzog. Sich die Zeit nahm die Bälle in Schnittstellen zu spielen oder wenigstens im Blickfeld auf sich ergebende Räume. Dies stellt unter anderen auch die langen Bälle infrage, die nicht wirklich oft in gefährlichen Angriffen münden. Meist landen sie etwas beim Gegner oder bei einem Stürmer, der sich etwa einer Überzahl Verteidiger stellen muss oder eine Anspielstation bräuchte, die nicht vorhanden ist.

Neben diesem grundlegenden Problem kamen noch ein paar weitere taktische Probleme hinzu. 3 Beispiele habe ich einmal herausgepickt, wer die Möglichkeit hat das Spiel noch einmal in der Wiederholung zu sehen, kann sich die Szenen noch einmal anschauen.

1. Raumdeckung

6. Spielminute. Schönes Beispiel für Angriffe, die die Leipziger Mannschaft immer wieder in gefährliche Situationen bringt. Angriff FCN über die Außenbahn. Die Verteidiger werden vom ballführenden Spieler und einem zweiten Angreifer komplett gebunden. Müssen große Teile des Raumes vor dem Tor damit natürlich freigeben. Der Ball wird nach innen geflankt und dort kommt von außerhalb des Strafraums völlig frei ein Nürnberger Spieler zum Schuss. Das der frei werdende Raum, direkt vom Tor, nicht durch nachrückende Spieler gedeckt wird ist eigentlich ein Unding.

2. Anspielbar sein

21. Spielminute. Nach einen Ballgewinn versuchen es die Leipziger mit Kurzpassspiel in der eigenen Hälfte. Da fallen mir sofort zwei Themen aus dem oben erwähnten Video zum Spielsystem ein. "Dazu kommen" und "Anspielbar sein". Auch hinsichtlich von befreienden Lösungen zu gegnerischen Pressing sicher zwei wichtige Schlagwörter. In diesem Fall stellt man dem ballführenden Spieler die offensiven Passmöglichkeiten zu. Keiner der umgebenden Leipziger bietet sich als neue Option für ein Zuspiel an, der einzig verfügbare für zumindest einen Rückpass, schenkt den Ball sogar ab. Es kam, wie es kommen musste, der Rückpass wurde trotzdem probiert, und die Nürnberger bekamen ein ideales Zuspiel für einen Angriff.

3. Spielfeld ausnutzen

Die dritte Variante wird leider schlecht von den TV Kameras eingefangen, war im Stadion wohl besser zu sehen. Der ein oder andere wird sich noch an Fandrichs Aussage nach dem Spiel gegen Aue erinnern, das es nur wichtig war die Mitte zuzustellen. Zugegeben, man spielt nun mehr über die Außen, nutzt jedoch bei eigenen Angriffen trotzdem selten das komplette Spielfeld aus. Dabei würde ein einziger Spieler auf der gegenüberliegenden Seite des ballführenden Spielers schon ausreichen, um nicht nur eine Option für einen entlastenden Seitenwechsel zu bieten, sondern auch das Verteidigen des Strafraums für den Gegner wesentlich zu erschweren.

Fazit:
Grundlegend fand ich das Spiel nicht so schlecht, wie wohl einige andere. Mit dem diese Saison starken Tim Sebastian kehrte Ruhe in die Defensive ein, ein paar sehenswerte Angriffszüge hatte man ebenfalls. Zauberfußball ist beim Rest der Saison kaum zu erwarten, viel wird über den Kampf entschieden werden. Am Ende hat man die, weiterhin erst einmal theoretische Entscheidung, um einen Spieltag vertagt. Sicher kein schlechter Faktor. Jetzt gilt es am Ball zu bleiben und die Auswärtsschwäche erst einmal zu beenden. Schafft man dieses, wäre man wohl schon einen großen Schritt weiter in der Mannschaftsentwicklung.



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