SV Sandhausen - RB Leipzig

Montag, 2. November 2015


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Aufstellung

Coltorti 
Klostermann, Orban, Compper, Halstenberg 
Khedira, Demme,
Kaiser (C), Sabitzer, Bruno
Selke.

Ralf Rangnick hätte wohl liebend gern die Siegerelf vom Düsseldorf Spiel auflaufen lassen. Doch durch den Ausfall von Forsberg und die Gelbsperre von Ilsanker mussten zumindest zwei Positionen umbesetzt werden.

Bruno als Ersatz für Forsberg kam dabei nicht überraschend. Das es Khedira nun wieder in die Mannschaft schaffte, war dabei aber wohl eher den wenigen Alternativen im Mittelfeld zu verdanken. Er lieferte ein solides Spiel und bestätigt somit zumindest seine Verfügbarkeit als sicheres Backup.

Spielverlauf

Dass die Hoffnungen auf ein dominantes, ungefährdetes Spiel wieder nicht in Erfüllung gehen konnten, zeigte sich schon in den ersten Minuten. Wer erwartet hatte, das Sandhausen sich nur hinten reinstellte und lauerte wurde eines Besseren belehrt. Stattdessen ging man mit aggressivem Pressing zu Werke, sobald die Leipziger die Mittellinie überquerten.

Dies funktionierte überraschend gut. Viele Ballverluste der Leipziger führten zu einigen sehenswerten Angriffen des SV Sandhausen. Nur vor dem Tor war die Heimmannschaft glücklicherweise nicht sehr effektiv und so endeten die Angriffe zumindest im Strafraum. Trotzdem haderten die Roten Bullen mit ihrem eigenen System. Man versuchte es nun vollends über den Ballbesitz, agierte aber viel zu unsicher. Zu viele Passstationen,  Quer- und sogar Rückpässe gaben auch viel Raum zu Ballverlusten, die zwangsläufig zu schnellen Kontern Sandhausens führten.

Und wenn die Offensivaktionen von Leipzig einmal funktionierten, war die Vorbereitung nicht selten so langsam, dass sich die ganze Mannschaft des Gastgebers schon im eigenen Strafraum geordnet hatte. Die entstehenden Torschüsse waren danach eher in der Kategorie "Wenig Chancen auf Erfolg".

Die Quittung dieses Spiels folgte auf dem Fuß in der 27. Minute. Klostermann zur Behandlung draussen. Niemand füllte die fehlende defensive Position aus. Ein schöner Angriff Sandhausens, Bouhaddouz setzt sich im Strafraum gegen Orban durch, Schuss und 1:0 für Sandhausen. Für Klostermann ging es leider nicht weiter. Gipson kam für ihn. Durchaus überraschend, aber auch keine schlechte Wahl von Ralf Rangnick.

Ganz Sandhausen im Freudentaumel, doch dieser sollte nicht lang anhalten. 31. Minute. Sabitzer mit einem Torschuss, der wohl durchaus gezielt ins Eck gegangen wäre, doch Sandhausen Spieler Linsmeyer liefert einen Handelfmeter wie aus dem Bilderbuch. Nicht nur das er per Hand die Körperfläche vergrößert, wie es immer so schön heißt, sein Handspiel ist auch noch entscheidend dafür, das der Ball am Tor vorbei geht. Kaiser lässt sich nicht lang bitten und versenkte den Elfer eiskalt, 1:1.

Es blieb bei diesem Spielverlauf und auch bei dem Ergebnis bis zur Halbzeit. Sicher ein kampfbetontes Spiel mit viel Ballbesitz für Leipzig bis dahin, allerdings auch eine Spielweise, bei der Ralf Rangnick wohl einiges nicht gefallen haben dürfte. Doch auch nach der Halbzeit blieb es beim gleichen Bild. Der Versuch geordnete Abwehrreihen ohne das nötige Tempo zu sprengen ist schon vom Grundsatz schwierig und hätte eine hohe Präzision erfordert, doch überbot man sich eher an Möglichkeiten möglichst präzise den Ball zu verlieren. Allerdings, das muss auch gesagt werden, war Sandhausen in dieser Phase nicht besser. Auch von Seiten des Gastgebers kaum gefährliches.

In der 66. Minute reichte dem Trainer dann wohl die Offensivdarbietung und Poulsen sollte frischen Wind bringen. Er kam dabei für Bruno. Es dauerte etwas, bis sich dieser Wechsel auszahlte. 74. Minute, Ecke, Dominik Kaiser. Der Ball kommt in die Mitte und mit Poulsen ist auch endlich jemand da, der einen Kopfball gen Tor bringen kann. Der Torwart kommt leider noch an den Ball wehrt ihn jedoch genau vor die Füße von Halstenberg ab, der nur noch abstauben braucht. 1:2. Mindestens 50% des Tores würde ich einmal Poulsen zusprechen.

Sandhausen musste nun anrennen, was allerdings nur mäßig effektiv war. Ralf Rangnick sicherte in der 82. Minute dann noch mit Sebastian für Kaiser ab. Das Ergebnis blieb beim 1:2.

Statistik

SV SandhausenRB Leipzig
Tore12
Torschüsse718
Ballbesitz45%55%
Angek. Pässe57%67%
Gew. Zweikämpfe52%48%
Fouls1818

Bester Spieler

Halstenberg für mich eindeutig der Spieler des Spiels. Nicht wegen seines entscheidenden Tores, sondern seiner Wichtigkeit sowohl für das Defensiv- als auch für das Offensivspiel. Mit seiner Schnelligkeit entschärfte er so manches Mal schnelle, gefährliche Angriffe von Sandhausen. Und in der Offensive ist er ein wichtiger Spieler, mit dem immer zu rechnen ist.

Mittlerweile ein Transfer, der durchaus als einer der Top Transfers gesehen werden kann. Und ein Spieler, dem ich problemlos auch höhere Gefilde zutrauen würde.

Fazit

Spitzenreiter, Spitzenreiter, hey, hey, hey!
Zugegeben, ein wenig hat uns dabei die schwächelnde Konkurrenz schon beim Erklimmen der Spitzenposition in der Tabelle in die Karten gespielt. Und so wirklich überzeugend war der Sieg dann auch nicht. Aber obwohl wir es uns auf die Fahnen geschrieben haben, nicht nur erfolgreich, sondern auch attraktiv zu spielen, ist es gut zu wissen, das wir auch einmal anders siegen können.

Allgemein ist es schon überraschend, wie Ralf Rangnick diese Saison seine Kritiker Lügen straft. Jahrelang galt es für viele als Fakt, das Rangnick jedem Trainer und Trainerkandidaten sein eines, festes Spielsystem aufdrücken würde. Schaut man sich nun die bisherige Saison an, scheint dieses feste Spielsystem allerdings nicht wirklich zu existieren.

Ich hatte vor längerer Zeit einmal erwähnt, dass unser Trainer bei einer Mitgliederversammlung einmal stolz ein Video zur "Philosophie" hinter dem gespielten Fußball gezeigt hatte. Darin enthalten endlose kleine Facetten. Weniger ein System, eher ein ganzer Baukasten, mit dem sich fast schon beliebige Systeme zusammenbauen lassen. Zudem zeigt er diese Saison auch, dass er durchaus alles den Möglichkeiten des Kaders und auch der Notwendigkeit des Gegners unterordnet. Sicherlich auch ein Faktor, den man bedenken sollte, wenn man über einen Nachfolger spekuliert. Wenn der jeweilige Trainer genug überzeugt ist von seiner Spielweise und sich im Idealfall noch mit ein paar Bausteinen aus dem Spielphilosophie Kasten bedient (Von denen jeder halbwegs modern agierende Trainer wohl selbst schon einige verwendet), wird Ralf Rangnick ihn wohl kaum in die Spielweise hereinreden.

Das Spiel selbst war, wie schon gesagt, sicherlich nicht das beste der Mannschaft. Und doch sticht ein Punkt für mich heraus. Nachdem Poulsen durch seine kleine Krise nicht mehr zum Stamm gehört, sind die Möglichkeiten für Kopfbälle doch sehr begrenzt. Man hatte das Gefühl das Sandhausen durchaus gern auch einen Freistoß Leipzigs akzeptiert, egal wie nah am Tor, da diese eher verpuffen, als irgendwie verwertet werden können. Das der entscheidende Treffer dann nach einer Ecke mit Kopfball fällt, selbst wenn es der Abstauber danach war, kann man schon fast als Zeichen gelten lassen. Es ist sicherlich schwer, eine Lösung zu finden, so lang sehr wenig Kopfball starke Spieler im Kader sind. Und doch sollte man auch in der Luft gefährlich sein, bevor die Gegner allzu oft auf die Idee kommen "Klären wir halt zu Standards, die sind bei denen nicht gefährlich".



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