Rot-Weiß Erfurt - Rasenballsport Leipzig

Sonntag, 9. Februar 2014

Derby Zeit bei Leipzig. Alte Ostfußball Haudegen würden jetzt wohl einwerfen, das das einzige Derby für Erfurt eines gegen Jena ist. Nun, dann dürfen diese Leser Derby gedanklich gegen, "Spiel mit erhöhten Zuschaueraufkommen, spezieller Brisanz und erhöhter Bedeutung in einer speziell definierten, geografischen Region (in dem Fall dem Osten Deutschlands)" ersetzen. Mir persönlich wäre das etwas lang, deswegen werde ich solche Spiele auch weiterhin als Derby bezeichnen. Man sehe es mir nach.

Wie bei Derbys üblich, war das Interesse um das Spiel herum fast noch größer als um den sportlichen Teil. Die üblichen hitzigen Debatten füllten die Foren, absurde Vergleiche von Spielen und Zuschauerzahlen wurden propagandiert und Erfurt erwartete zum Leidwesen einiger Antis auch noch einen Zuschauerrekord.

Trotzdem sei gesagt, das es um das Spiel vergleichsweise ruhig bliebt. Auch im Stadion blieb es bis auf ein etwas seltsam anmutendes Banner der Erfurter (Die den sportlichen Erfolg des Gegners anerkannten, aber die menschliche Seite "kritisierten") ohne Vorfälle. Zu diesem Banner bekam man auch ein Spruchband in die Hände, das bisher noch nie in Leipzig gezeigt wurde und zeigte dies auf dem Kopf stehend. Auch da entbehrt es nicht eines gewissen Humors, das dieses Spruchband deswegen jetzt auf jedem Bild zusammen mit ihrem eigentlichen zu sehen ist und somit doch noch den Weg an die Öffentlichkeit findet.

Aber kommen wir zum sportlichen Teil. Zorniger nahm wie fast zu Erwarten keine Änderungen an der Duisburg Aufstellung vor. Damit probiert man es in Leipzig weiterhin mit der Systemumstellung vom 4-3-3 auf das 4-3-1-2 System. Nachdem sowohl Thomalla als auch Luge beim Spiel nicht zur Verfügung standen sicher auch Kadertechnisch vorerst keine allzu schlechte Idee.

In Erfurt lief man vereinbarungsgemäß ohne Kammlott auf, eine im Vorfeld viel diskutierte Absprache, allerdings auch keine unverständliche.

Beide Mannschaften begannen eher vorsichtig, zudem haperte es vorerst am Spielaufbau. Wenn man bedenkt, das sowohl in Leipzig als auch in Erfurt gezielt der Gegner möglichst früh gestört werden soll, die logische Konsequenz. Die ersten besseren Chancen hatte der Gastgeber. In der 10. Minute scheitert Tujic zuerst an Domaschke und ist in der 17. Minute zwar schneller als die Leipziger Verteidiger, kommt aber wiederum nicht schneller zum Ball als der Torhüter von Rasenballsport.

In der 31. Minute dann der erste Rückschlag für die Gäste. Ernst verletzt sich in einem Zweikampf und muss ausgewechselt werden. Später wird sich eine Kreuzbandverletzung herausstellen. Tim Sebastian kam für ihn auf das Feld. Während alle noch mit dem Wechsel beschäftigt waren, dann wie aus dem nichts ein Tor, für die Leipziger. Dabei scheitert Kaiser zuerst noch am Keeper, schafft es im Nachgang jedoch den Ball noch ins Tor zu bugsieren. Damit hat sich die Konstante in der Drittligasaison von RB Leipzig wieder bewährt. Wenn nach vorn nichts geht, dann kommt der Kaiser.

Die Erfurter, sichtlich geschockt vom aus dem Nichts kommenden Rückstand agierten bis zur Pause zu zaghaft und Leipzig schien mit der knappen Führung erst einmal zufrieden. Damit passierte bis zur Pause nicht mehr viel.

Egal welche Worte die Trainer in der Pause fanden, es schienen die richtigen gewesen zu sein. Erfurt scheitert zuerst mehrfach nur knapp und die guten Leipziger Angriffe finden spätestens beim stark spielenden Erfurter Torwart Klewin ein jähes Ende. Trotz allem ein wesentlich dynamischeres Spiel als noch in der 1. Halbzeit. In der 69. Minute dann ein erneuter Rückschlag für die Gäste. Domaschke muss nach einer Abwehraktion, sichtlich mit Schmerzen, ausgewechselt werden. Nachdem Stammtorwart Coltorti noch nicht fit ist, keine gute Nachricht für Leipzig. Die Diagnose nach dem Spiel gibt jedoch vorerst Entwarnung.
Wie schon nach der Auswechslung von Ernst in der 1. HZ schien dies aber kein gutes Omen für die Erfurter gewesen zu sein. Knapp 3 Minuten später wird Kaiser nach Zerren, Ziehen und Schieben von Laurito im 16er zu Fall gebracht, Elfmeter.

Ein Elfmeter sicherlich, der im Nachhinein für Diskussionen sorgte, meiner Meinung nach jedoch eindeutig ist. Laurito hat keine realistische Möglichkeit an den Ball zu kommen und belässt es nicht bei einem Körpereinsatz sondern scheint gewillt, seinen Gegenspieler einfach nur vom Ball zu trennen.
Wie gewohnt tritt Frahn den Elfmeter und hämmert den Ball beinahe unhaltbar ins Eck.

Es entstehen turbulente 20 Minuten zum Ende. Sicher auch getrieben durch den nun ziemlich eindeutigen Spielstand, häuften sich in dieser Spielphase die Fouls. Zum Glück behielt Schiedsrichterin Bibiana Steinhaus die Ruhe und heizte die Situation nicht durch viele Karten noch an. Eine sehr unglückliche Situation dann kurz vor Ende. Willers fällt vorm eigenen Tor direkt auf den Ball, berüht ihn dabei mit der Hand und bekommt dafür Rot. Was im ersten Augenblick vor allem für die Leipziger, wie eine krasse Fehlentscheidung wird, ist am Ende eher Regelkonform. Man kann aus solch einer Situation unmöglich sagen, ob die Hand aktiv zum Ball geht und somit bleibt die durch diese Situation eindeutig verhinderte Tormöglichkeit. In diesem Fall war die Rote Karte sicherlich im Sinne des Regelwerks.

Das Spiel endete 2:0. Ein Ergebnis was Leipzig wieder ein wenig Luft auf dem 2. Tabellenplatz verschafft. Darmstadt spielte gegen Heidenheim derweil unentschieden und ist somit nun wieder 3 Punkte zurück. Erfurt sicherlich verpasste eine weitere Möglichkeit nach oben aufzuschließen. Aber auch dort dürfte der Großteil der jetzigen Schwarzmalerei ziemlich realitäsfern. Auf den 3. Platz, den man sicherlich als Maximum anstrebt, verlor man 1 weiteren Punkt. Bei der Anzahl der Spiele weiterhin eine machbare Aufgabe. In der ausgeglichenen 3. Liga werden wohl alle Vereine die mindenstens um die Relegation kämpfen noch genügend Punkte lassen, es war somit sicher kein vorentscheidendes Spiel für beide Mannschaften.

Ein Sieg, der wichtig für RB Leipzig war, um nicht in eine Negativserie zu rutschen. Zudem sieht die Tabellensituation weiterhin gut aus. Die Verletztenliste ist auf den ersten Blick natürlich länger geworden, mit Coltorti und Sumusalo im Aufbautraining und Thomalla und Luge eher mit kleineren Beschwerden dürfte dies in den nächsten Spielen jedoch schon anders aussehen. Auch die Verstauchung bei Domaschke lässt keinen allzu langen Ausfall erwarten. Spielerisch ist das gezeigte noch nicht die hohe Fußballkunst, die man jedoch auch nicht benötigt um in der Liga die Ziele zu erreichen. Zu wünschen ist sicherlich in den nächsten Spielen die bessere Integration der Neuzugänge. Gerade auch Spieler wie Palacios brauchen Spielzeit und sei es erst einmal, um als Einwechslung für neuen Wind zu sorgen. Der viel kritisierte Teigl benötigt zudem wohl weiterhin den Rückhalt und die Unterstützung der Mannschaft, bevor seine "Umschulung" zum Außenverteidiger als Erfolg gewertet werden kann.

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