Nach dem Derby ist vor dem Derby

Montag, 25. August 2014

Am Freitagabend stand nun ein in der 2. Bundesliga sehr seltener Moment an. Ostderby Zeit gegen Aue. Trotz nach den ersten Spieltagen gravierender Tabellenunterschiede ging es dabei sicher auch um die Frage, ob die gute Punktausbeute von 4 Zählern vor dem Spiel nun anhand schwächelnder Gegner zusammenkam oder schon der Anfang einer Serie sein könnte.

Man kann es vorwegnehmen, so wirklich geklärt ist diese Frage nicht. Dabei fing alles so gut an, schon in der 3. Minute schepperte es im Kasten der Auer. Ein Einwurf wird von Aue schlecht geklärt und der Ball landet bei Daniel Frahn. Dieser hat kaum Probleme dem Ball im Tor zu versenken und damit sein erstes Saisontor zu markieren.

Dieser Torerfolg war sicher auch eine Genugtuung für Frahn, der in den letzten Wochen doch stark kritisiert wurden war. Zwar wird sich durch das Tor kaum was an seiner Kadersituation ändern, wo ihn mit Rebic und Boyd starke Konkurrenz erwarte, sobald beide fit und einsatzfähig sind, es ist jedoch zumindest ein Zeichen, das er auch in der zweiten Bundesliga punkten kann. Einzig der Jugend in Form von Palacios und dem in der Vorbereitung starken Prevljak scheint er sich vorerst erwehrt zu haben, denn beide haben den Trainer im ersten Spiel nicht überzeugt und saßen seither nicht mal mehr auf der Bank.

Nach der schnellen Führung erwarteten viele wohl ein klares Spiel mit möglichst hohem Ergebnis. Stattdessen fand Aue jedoch mit fortschreitender Spielzeit immer mehr in eine stabile Abwehr, auch von in der ersten Halbzeit bei ihnen wenig selbst nach vorn ging. Aber auch bei Rasenballsport zeigten sich immense Probleme in der Offensive.

Wie auch zuletzt schon ersichtlich, tut man sich immer dann schwer, wenn der Gegner tief steht. Was höchst problematisch ist, da man mit der offensiven Spielweise, mit hochstehenden Verteidigern und frühem Pressing natürlich selbst den Gegner in eine gewisse Defensivhaltung drückt. Nun scheint die Devise dabei zu sein möglichst körperlich zu agieren, was jedoch auch nur dann funktioniert wenn die Gegner nicht bei der kleinsten Berührung toter Mann spielen und der Schiedsrichter ein Fan von dieser Art des Spielens ist. In diesem Spiel war er sicher keiner und sobald Poulsen versuchte zu drücken gab es praktisch postwendend eine Unterbrechung.

Persönlich würde ich immer noch einen dreier Sturm als 4-3-3 für die beste Lösung des Problems halten. Dies hängt natürlich auch an den Spielertypen. Ein Poulsen ackert auf seiner Bahn zur Not auch aus der Defensive heraus, während Frahn eher der klassische Mittelstürmer ist, den man mit Bällen beliefern sollte. Es sei gesagt, das es dabei kein besser oder schlechter gibt, denn wie gegen Paderborn gesehen, ist es auch fatal, wenn tödliche Bälle und Flanken geschlagen werden, aber vorn niemand steht der als Vollstrecker fungieren kann.

Dies hat jedoch zur folge das gerade gegen tief stehende Mannschaften viel unseres Spieles über eine Seite läuft. Und wenn doch einmal die Seiten gewechselt werden, muss Frahn meist selbst auf die linke Außenbahn, was für ihn keine ideale Situation ist. Ein 3er Sturm für eine solche Situation mit einem spielenden Stürmer auf links könnte diese Stellungsproblematik durchaus beheben.

In der 41. Minute dann ein kurzer Schock. Hoheneder prallt bei einem Freistoß gegen einen Gegenspieler und fällt danach mit dem Kopf voran zu Boden. Was zuerst nach einer sehr üblen Verletzung aussah, bei der durchaus auch Halswirbel in Mitleidenschaft gezogen werden können, entpuppte sich im Nachhinein glücklicherweise nur als Stauchung. Compper kam für ihn ins Spiel.

Ob diese Verletzung nun in der 2. Hälfte noch nachwirkte oder Aues Trainer nur die richtigen Worte fand. Aue wurde weiterhin stärker und Leipzig blieb weiter nur bis zum 16er dominant, danach fehlten die Ideen. Und so wurde aus dem zu Beginn so leicht aussehenden Spiel am Ende eine ziemliche Zitterpartie.

Um zur Eingangsfrage zurückzukommen. So wirklich weiß man immer noch nicht, wo die Reise hingeht. Zwar ist man vor dem Montagsspiel heute Erster in der Tabelle, man wird das Gefühl jedoch nicht los das uns nicht wenige Teams der Liga weitaus mehr fordern werden, als wir bisher gefordert wurden.

Eine große Hoffnung ist natürlich das bis auf Khedira noch keine Neuverpflichtung so wirklich im Kader angekommen ist. Compper und Kalmar schnupperten das erste Mal ins Spiel hinein. Rebic hängt irgendwo im Aufbautraining, Boyd erholt sich von seiner Verletzung. Hierländer knabbert momentan an der starken Konkurrenz.

Am Samstag kam dann die lang erwartete DFB Pokal Auslosung. Und wer wurde zugelost? Der FC Erzgebirge Aue! Was sich in den ersten Momenten wie ein schlechter Scherz anfühlte, ist sicher kein so schlechtes Los. Man verfällt in Leipzig schnell in die alte Devise aus Regionalligazeiten und wünscht sich einfach irgendeinen Knaller, da ein Weiterkommen dort eher unwahrscheinlich war. Mittlerweile ist man aber durchaus an einem Punkt, wo man den Pokal aus sportlicher Sicht sehen sollte. Und da ist ein machbarer Gegner sicher bei Weitem zu bevorzugen.

Dieser ist in Aue gefunden. Auch wenn das Spiel weniger klar war, als vermutet und auch wenn Aue wohl nach der jetzigen Niederlage dort frei aufspielen kann und sicher noch überzeugender in Aktion treten wird.

Dem Zuschauerinteresse wird wohl der Abstand bis Ende Oktober gut tun, das Spiel weniger als Wiederholung, sondern mehr als weiteres Derby wahrzunehmen.






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