Kommentar: Der erhobene Zeigefinger

Freitag, 9. Oktober 2015

Man spricht heutzutage oft davon, wie schnelllebig das Fußballgeschäft ist. Spieler und Verantwortliche kommen und gehen und der nächste hochgelobte Star am Horizont findet sich nicht selten kurze Zeit später auf der Ersatzbank irgendeiner Mannschaft in den Niederungen des Fußballs wieder, wenn nicht gar auf dem Arbeitsamt.
Gerade wenn es um jüngere Spieler geht, sind Vereine, Fans, ja die gesamte Öffentlichkeit schnell dabei, die Talente in den Himmel zu heben oder Sie schnell auch wieder zu verdammen, natürlich auch in Leipzig.Wahrscheinlich werden jedem Fan viele Spieler einfallen, die man hier als gescheitert betrachten würde. Dafür brauchte es nicht unbedingt hohe Einsatzzeiten. Ein paar Kurzeinsätze reichten dabei durchaus für diese Einschätzung der Leistung des Spielers. Der jeweilige Trainer wird sicher schon gewusst haben, warum der Spieler nicht mehr spielt.

Auch diese Saison sind wieder viele schnell dabei mit ihrem Urteil. Yussuf Poulsen trifft ein paar Spiele nicht selbst und schon zweifelt man an seiner Zukunft.

Und doch gibt es diese Saison zwei Spieler, die wie ein erhobener Zeigefinger als Ermahnung dienen sollten. Da haben wir zum einen Emil Forsberg. "Sündhaft teuer und torlos" war noch die nettere Umschreibung von Forsbergs Rückrundenleistung im letzten Jahr. Seine gute Technik mit dem Ball sah man schon dort, aber ein Offensivspieler, der das Tor nicht trifft, bekommt schnell den Stempel des Fehleinkaufs aufgedrückt. Doch wie anders sieht dies nun in dieser Saison aus? Als er nach seinem 1. Tor am 2. Spieltag ein Saisonziel von 12 Toren ankündigte, sagte der ein oder andere vielleicht noch "Wunschziele halt". Mit 4 Toren in 9 Einsätzen dürfte dieses Ziel wohl mittlerweile jedoch nicht mehr unrealistisch erscheinen. Kaum ein Spiel, wo sich Fans und Presse nicht vor Lob überschlagen. Einer der herausragenden Spieler der, zugegeben noch jungen, Saison.

Noch kurioser ist die Geschichte von Diego Demme. Hätte man in den ersten 2 Spieltagen eine Umfrage zu Demme unter Fans gemacht, hätten ihn viele wohl erst einmal älter geschätzt, als er ist und zudem hätte ihn wohl niemand auf den Schirm der wichtigsten Spieler bis zu diesem Zeitpunkt gehabt. Es waren sogar durchaus einige Kommentare zu lesen, die ihn für einen sicheren Kandidaten für einen Abgang hielten. Demme beeindruckt nun mit seiner Fähigkeit nicht nur seine Position im Mittelfeld auszufüllen, sondern hat vor allem auch ein Auge dafür, wo seine Mitspieler Unterstützung benötigen. Dabei überzeugt er momentan in jeder Hinsicht und ich behaupte sogar, ohne ihn wäre unser Konto an Niederlagen um einiges höher. Woher nun die Diskrepanz? Nun, Demme begleitet den Verein nun schon mehr als 1 1/2 Jahre, ist aber sicher kein Spieler der ständig ins Rampenlicht drängt. Er hatte auch in der Vergangenheit durchaus hohe Einsatzzeiten, ohne jedoch besonders herauszustechen, bis zu dieser Saison.

Was haben Forberg und Demme denn nun gemeinsam? Ganz einfach, Sie sind beide noch jung, 23 Jahre um genau zu sein. Und wie man sieht, sind Leistungssteigerungen gerade auch im jungen Alter jederzeit möglich. Es ist sehr schwer anhand eines IST Zustandes, auf die Zukunft des jeweiligen Spielers zu schließen und man sollte gerade jungen Spielern auch die Zeit gönnen, sich einzufinden und die Möglichkeit, sich im Spiel zu beweisen. Sicherlich ist die Frage spekulativ, ob uns anhand der fehlenden Ausdauer von Verein und Umfeld oder fehlender Einsatzzeit nicht schon das ein oder andere Talent durch die Lappen gegangen ist.

Doch es wäre sicherlich von Vorteil, nicht direkt aufzugeben oder gar Spieler zu verdammen, nur weil Erwartungen vielleicht nicht sofort erfüllt werden. Das sollten gerade wir als Fans uns immer mal wieder vor Augen halten.

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