RB Leipzig - 1. FC Nürnberg

Montag, 5. Oktober 2015


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Aufstellung

Coltorti 
Klostermann, Orban, Compper, Halstenberg 
Ilsanker, Demme
Kaiser (C), Sabitzer, Bruno
Selke.

Wie nach den Meldungen über die Ausfälle nicht anders zu erwarten gab es Änderungen in der Startelf. Halstenberg war wieder fit genug für jene und rückte damit wieder auf die Außenbahn. Weiterhin zog Klostermann nach außen und machte damit wieder Platz für die rotierende Stelle des Innenverteidigers an Orbans Seite. Erstmalig in dieser Saison konnte sich Compper dort versuchen. Warum Tim Sebastian weiterhin nicht in Rangnicks Gunst auf dieser Position steht, werden sich sicher viele Fragen. Vielleicht erklärt Rangnick in den nächsten Wochen einmal, wo er die Defizite sieht.

Im Mittelfeld war Demme wieder fit, sicherlich glücklicherweise, wenn man seine starken Leistungen in dieser Spielzeit bedenkt. An seiner Seite Ilsanker, wohl hauptsächlich deshalb, weil Kaiser etwas weiter nach vorn rückte. Durch den Ausfall von Forsberg war ein Platz im kreativen Bereich hinter den Spitzen frei geworden, den der Kapitän nun ausfällen sollte. 

Spielverlauf

Es passiert auch nicht oft, das man die entscheidende Szene des Spiels noch hat, bevor sich die letzten Zuschauer mit dem obligatorischen Getränk der Wahl auf dem Platz eingefunden haben. 6. Minute de Spieles. Selke mit schönem Laufweg eigentlich durch, sieht Kaiser und dieser wird im Strafraum gelegt, Elfmeter. Kaiser ließ sich nicht beirren und versenkte diese Chance dann auch zur frühen Führung.

Nürnberg vom frühen Rückstand in Unterzahl geschockt, Leipzig nun natürlich im Aufwind. Einige schöne Kombinationen rollten in dieser Phase gen Nürnberger Tor und es dauerte nicht langm bis dies belohnt wurde. 11. Minute, Klostermann mit starkem Antritt sieht Selke und die Flanke landet punktgenau da vor dem Tor, wo dieser den Ball direkt versenken konnte, 2:0.

Komfortable Führung in der Tasche und doch blieb keine Zeit zum durchatmen. Weiterhin rollten die Leipziger Angriffe an und Nürnberg versuchte, sich irgendwie wieder zu fangen. 16. Minute, ein schwacher Abwehrversuch eines Balls im Nürnberger Strafraum landet wieder bei Selke und dieser zieht einfach mal ab, 3:0.

So wirklich wollte man sich in dieser Phase gar nicht die Augen reiben, aus Angst es könnte sich um einen Traum handeln, doch es waren wirklich 3 Tore in 16 Minuten gefallen. Auch wenn eines davon natürlich ein Elfmeter war.

Es blieb in der ersten Hälfte beim Spiel auf 1 Tor. Und nicht nur Stürmer versuchten sich an der Erhöhung der Führung, Torchancen aus allen Mannschaftsteilen, selbst Orban kam aus aussichtsreicher Position an den Ball. Es blieb jedoch beim 3:0 zur Halbzeit. Kein Ergebnis, über das man sich hätte beklagen können.

Auch in der 2. Hälfte änderte sich nichts an der Leipziger Dominanz. Allerdings verfiel man bei Angriffen leider auch wieder in einige alte Fehlerszenarien. Entweder man war zu überhastet oder zu verspielt, die letzte Konsequenz vor dem Tor fehlte und somit kam auch kein weiteres Tor zustande.

Diskussionswürdige Situation in der 62. Minute. Oder zumindest eine Situation, bei der sich Ralf Rangnick nach dem Spiel selbst kritisierte. Freistoßsituation Nürnberg. Ralf Rangnick wechselt 2 Spieler aus. Poulsen und Quaschner kamen für Bruno und Selke. Nicht das letztere schlecht gespielt hätten, aber beide waren schon gelb vorbelastet und der Trainer wollte bei solch einer komfortablen Führung sicher kein gelb-rot riskieren. Somit nachvollziehbar, nur der Zeitpunkt war sehr ungünstig.
Der Freistoss kam, noch keine wirkliche Neuordnung auf Seiten der Leipziger, ein 1:1 Kopfballduell für Compper entsteht, das er verliert und schon stand es 3:1.

Leichte Unsicherheit machte sich in den Leipziger Aktionen breit, auch wenn die Nürnberger vorerst immer noch auf Schadensbegrenzung aus schienen. Der nächste Nackenschlag dann in der 75. Minute. Wieder Freistoß Nürnberg. Wie schon im Vorbericht erwähnt, durfte man keinesfalls Möhwald unterschätzen, der schon zu Erfurter Zeiten einen guten Blick für die Situation und ein präzisen Fuß für Vorlagen hatte. Er brachte den Freistoß somit präzise zum Mitspieler Füllkrug, der wurde fatalerweise nicht wirklich gedeckt und der Anschlusstreffer war da.

Auch wenn es kaum zu glauben war, nun begann das Zittern zum Spielende. Rangnick brachte kurz vor Ende noch Sebastian für Compper und irgendwie rettete man dann auch die Führung ins Ziel, es blieb damit beim 3:2 Sieg.

Statistik

RB Leipzig1. FC Nürnberg
Tore32
Torschüsse176
Ballbesitz60%40%
Angek. Pässe82%65%
Gew. Zweikämpfe53%47%
Fouls1814
Laufleistung (km)117,1107,4
Sprints177158

Bester Spieler

Zuerst sei wie so oft in den letzten Spielen angemerkt, das man diesen Titel problemlos wieder Diego Demme geben könnt, der wieder ein starkes Spiel machte und beweist, das man bei jungen Spielern vorsichtig mit Zukunftsprognosen sein muss. Vielleicht auch gerade deshalb wichtig, weil unter den Fans gerade auch gern ein paar Spieler allzu schnell verteufelt werden, die nicht gerade ihre besten Phasen haben.

Doch für mich kann hier in diesem Spiel nur Davie Selke stehen. Nein, man hat nicht den Eindruck, er ist schon dort wo er sein kann. Umso besser unser Spielsystem läuft, umso mehr kann er davon profitieren. Aber er lieferte ein starkes Spiel ab, schoss zwei Tore selbst und war am Elfmeter zumindest in der Vorarbeit beteiligt. Er machte genau das, was bei den letzteren Spielen allzu oft fehlte. Er vollstreckte die Spielzüge und gab ihnen so die Konsequenz.

Fazit

Sieg! In einem so wichtigen Spiel einen Sieg zu erringen und das mit 3 Toren, man könnte denken, es gäbe nur Freudentaumel. Und natürlich kann man sich über das Ergebnis selbst nicht ärgern. Man konnte die Vorlage der Gegner endlich mal nutzen und ist nun sehr nah an den Tabellenpositionen, die sicherlich das Ziel dieser Saison darstellen. Außerdem hat man für die Konkurrenz natürlich auch ein Zeichen gesetzt, das mit Leipzig trotz aller Probleme und der noch fehlenden Dominanz jederzeit zu rechnen ist.

Trotz dieser Punkte lässt der Spielverlauf bei vielen sicherlich Fragen offen. Warum konnte man aus solch einer überlegenen Ausgangslage nach dem 3:0 nicht mehr machen?

Im Grunde liegt es an einer Facette, die mir zugegeben auch etwas Bauchschmerzen verursacht und wo der Verein und vor allem auch Ralf Rangnick sehr vorsichtig agieren sollten. Es braucht momentan nicht viel und aus der Flüssigkeit des Kombinationsspiels wird ein Test der Willenskraft, bei dem die Spieler unbedingt zeigen wollen, das die Tore gelingen. Und es braucht auch nicht viele Fehler in der Defensive und das Vertrauen in die Stärke des Teams scheint zu bröckeln.

Es geht um viel diese Saison und natürlich ist der Druck hoch. Der Kicker schreibt heute Ralf Rangnick hätte sich deswegen mit den Vereinsverantwortlichen verständigt, den Aufstieg öffentlich zu relativieren. Man muss ja nicht aufsteigen.

So richtig dies ist, denn ein Nichtaufstieg wäre weder für den Verein, noch die Verantwortlichen das Ende der Welt, so sehr ist das argumentativ auch ein Ritt auf der Rasierklinge. Die Gegner des Vereins werfen uns gern einmal vor, man könnte einige Spieler nur holen, weil man ihnen gutes Geld bezahlt. Der Schlüsselfaktor ist aber wohl eher, das man versucht, einen ganz bestimmten Spielertypus für sich zu gewinnen.

Nein, gestandene Erstligaspieler werden wenig Ambitionen haben, in der 2. Bundesliga zu spielen, egal wie viel Gehalt man nun bietet. Die beste Möglichkeit hat man bei jungen Talenten, die sich die große Karriere noch ausmalen. Denen zeigt man einen Weg, der sicherlich ein gewisses Risiko bildet, der Sie aber weiter bringen kann, als wenn diese Spieler auf Nummer sicher gehen und sich einer Mannschaft in irgendeiner ersten Liga anschließen, die nicht zu den Top Ligen Europas zählt.

Dieser aufgezeigte Weg ist aber wie gesagt risikoreich. Ein verlorenes Jahr und es ist im schnelllebigen Fußball vielleicht schon zu spät. Ein Jahr und aus einem hoch talentierten, jungen Spieler, ist schnell ein Spieler geworden, der es nicht in die höchsten Fußballgefilde geschafft hat. Dieser Druck zeigt sich meiner Meinung nach nun auf dem Platz.

Der einfachste Weg, dem entgegen zu wirken, wären genug sportliche Erfolge, die den Aufstieg wahrscheinlicher machen. Aber vielleicht sollte man argumentativ öffentlich auch mehr klar stellen, das man schon diese Saison ein klares Aufstiegsziel hat und weniger auf die Entwicklung pochen, die nicht jedem Spieler weiterhelfen würde.

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