"Dritte Liga war schön,... " (RB Leipzig - 1. FC Saarbrücken)

Sonntag, 4. Mai 2014

Aufstieg! Wahnsinnige Stimmung! Höchster Saisonsieg! Erste Mannschaft die den direkten Durchmarsch durch die 3. Liga geschafft hat!

Nach dem Spiel gestern überschlagen sich die Superlativen und alle zurecht. Mir kamen gestern nach der Feierstimmung auch paar nachdenkliche Gedanken, über die unvorstellbare Entwicklung in kürzester Zeit.
Doch erst einmal zum Sportlichen.

Das Spiel ist schnell umrissen. Saarbrücken versuchte die ersten Minuten noch konzentriert mitzuhalten, scheiterte jedoch an ihren Abschlüssen. Leipzig spielte hochmotiviert ihre bewährte Taktik, aus frühen Pressing und schnellen Aktionen zum Tor herunter und kam durch eine schöne Ablage von Frahn auf Kaiser schon in der 7. Minute zum Führungstreffer.

Danach zeigte Saarbrücken die typischen Anzeichen eines sicheren Absteigers. Teils übermotivierte Aktionen die zu Ballverlusten führen, Einzelspielzüge, bei denen der ausführende Spieler jedoch am Ende keine Anspielstationen hatte, zeitweise fast schon eine Auflösung jeglicher taktischen Formation. Dies führte dann auch zu den Leipziger Toren zwei und drei (beide Male Frahn). Obwohl man danach sichtbar zurückschaltete boten sich weiterhin große Räume zum kombinieren. Kurz vor der Pause nutze Kaiser dann den Raum sogar noch für ein 4:0.

Die 2. Hälfte begann dann noch einmal druckvoll. Kurz nach der Pause, Poulsen auf Kaiser und dieser zieht aus spitzen Winkel fast schon von der Grundlinie ab, 5:0.

Der Rest war mehr Ergebnis halten. Saarbrücken nutzte eine Unachtsamkeit zum Ehrentreffer und die Leipziger wechselten erst Röttger, dann Ernst und zuletzt Willers ein. Alles in allem könnte man sagen, das das Spiel eher unter den Veränderungen litt, wirklich entscheidend war dies am Ende natürlich nicht mehr.

Der Schlußpfiff besiegelte den Aufstieg und ließ das Stadion förmlich explodieren. In allen Blöcken (vom Gästesektor mal abgesehen) feiernde, singende Fans.

Nun zu der angesprochenen Entwicklung. Wenn man in Leipzig von der Vergangenheit spricht, vergleicht man Ist Zustände gern mit den Anfangszeiten aus 2009. Dabei wird schnell vergessen wie extrem die Entwicklung alleine in den letzten Jahren ausgefallen ist.

Nehmen wir den 11.04.2012, Pacult Ära, Mittwochsspiel in der Red Bull Arena. Gegner damals der ZFC Meuselwitz. Das ich gerade dieses Spiel rauspicke, mag daran liegen, das ich damals meine Frau endlich dazu überreden konnte, sich einmal ein Fußballspiel im Stadion anzusehen. Kein ideales Spiel dafür wie sich rausstellen sollte.

Ich betrat demnach an diesem kalten Frühlingstag das Stadion. Als Sitzplatz hatte ich mir die Haupttribüne ausgesucht, natürlich auf der Seite wo sich in den Abendstunden nie ein Sonnenstrahl hin verirrt. Die Zuschauerzahl sollte damals offiziell bei 5.524 liegen. Keinesfalls die geringste Zahl, jedoch bei dem großen Volumen des Stadions etwas, wo man durchaus den halben Block für sich allein hatte. Man könnte auch sagen, es fehlten nur die aus Western bekannten rollenden Steppenläufer um die Leere bildlich darzustellen.
Im Fanblock hatten sich die Fans zumindest in der Mitte konzentriert und schmetterten die ersten Lieder,  bis das Spiel begann, denn schon nach 3min lag der Ball im Leipziger Tor. 1:0. Nun um das ganze etwas abzukürzen, es begann die, aus der Pacult Ära übliche "Wir versuchen einfach irgendwie und sei es mit langen Bällen den Ball ins Tor zu wuchten". Und mit jeden dieser gescheiterten "Wuchtversuche" sank die Stimmung des Publikums, vor allem auf der Haupttribüne. Erst versandeten sämtliche Wechselgesangsversuche, dann steigerte sich die "tolle" Stimmung in Sprüche gegen Trainer und Spieler. Und 15 Minuten vor Schluß skandierte eine Gruppe aus der Mitte heraus dann irgendetwas mit "Schei... Millionäre". Davon das zum Ende des Spieles schon ein Großteil der Zuschauer mindestens den Parkplatz erreicht hatte, muss ich wahrscheinlich nicht anfangen.

Hätte man mir damals erzählt das über 42000 Zuschauer nur knapp 2 Jahre später ausgelassen den Aufstieg in die 2. Bundesliga feiern, ich hätte ihn wohl für verrückt erklärt. Zuschauer, die auch nach dem Spielende noch blieben, um mit der Mannschaft zu feiern. Vom Kind bis zum Rentner, viele Familien und das überall im Stadion.

Vielleicht ist das der Unterschied, nach dem viele immer fragen, wenn es um RB Leipzig geht. Das man es bisher schafft zwei Welten zu kombinieren. Zum einen klassische, notwendige Fanstrukturen, die eine Basis schaffen  und sicher auch dem Verein ein Gesicht geben. Aber auch etwas, das mir persönlich im Vereinsfußball oft viel zu sehr untergeht, der schlichte Spaß am Stadionbesuch.

Ein gutes Beispiel dafür ist die WM. Zu jeder EM und WM rollen die gleichen Diskussionen durch die Fanforen der Vereine. "Wo sind die feiernden denn alle wenn keine EM oder WM ist?" ist so ziemlich eine Standardfrage. Nun, wenn man genau hinsieht auf den TV Bildern der nächsten Saison, entdeckt man davon sicherlich auch einige in der Red Bull Arena.

Zumindest sofern Sie noch Karten bekommen haben.




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