Kommentar: Die Angst vor Leipzig

Sonntag, 18. Mai 2014

Die Lizenz ist da und damit geht die Angst vor Rasenballsport Leipzig um. Ob nun bei Fans der 2. Bundesliga oder gar schon Fans der 1. Bundesliga, es werden nicht selten Weltuntergangsszenarien für den Fußball geweissagt und die wildesten Spekulationen über zukünftige Entwicklungen in den Raum gestellt.

Sicher entsteht dies auch durch Mißinformation oder einfach dadurch, das viele sich bisher wenig mit dem Thema RB Leipzig auseinandergesetzt haben. So werden nicht selten Vergleiche mit anderen Vereinen herangezogen, die jedoch völlig andere Voraussetzungen haben.

Dabei entbehren viele Befürchtungen eigentlich jeder Grundlage. Deswegen heute einmal ein paar Worte zu 3 der häufigsten Ängste und Sorgen.

Kaum Zuschauerinteresse

Diese Angst kommt vor allem aus dem Vergleich mit anderen, meist vor allem Bundesligavereinen, die man dem kommerziellen Umfeld zuschreibt. Diese ist jedoch in Leipzig sehr unbegründet. Nicht umsonst wurden in Liga 3 so ziemlich die meisten Rekorde aufgestellt, die möglich waren.

Das Stadt allein bietet schon völlig andere Möglichkeiten als in Wolfsburg oder Hoffenheim, dazu ist das Einzugsgebiet ungleich grösser, da hierzulande natürlich Bundesliga Fußball selbst als Zweitligafußball nur selten vertreten ist.

Ein Heimdurchschnitt von nicht zu knapp über 20000 Zuschauern in der 2. Bundesliga dürfte durchaus im Bereich des wahrscheinlichen liegen. Läuft die Saison gut, könnte man sogar an der 30000 kratzen.

Auch auswärts dürfte das Interesse an RB Leipzig weiterhin hoch bleiben. Der Verein polarisiert stark und genau diese Polarisation ist es, die auch fremde Stadion durchaus ansehnlich füllt. Das gleiche gilt für die gern herangezogenenen TV Quoten. Auch dies war auch schon in der 3. Liga zu sehen. Spiele gegen Leipzig werden auch in den höheren Regionen oftmals Highlight Charakter haben, das liegt allein schon am sehr höhen öffentlichen Interesse.

Dominanz durch Geld

Nun dies unterteilt sich eigentlich in zwei Sorgen. Zum einen die Höhe des Etats. Man kann natürlich nur vermuten wie der genaue Etat vor allem später in der 1. Bundesliga sein wird. Was man allerdings sagen kann ist, das die deutsche Bundesliga eine sehr teure Liga ist. In Österreich hatte Salzburg in der letzten Saison einen Lizenzspieler Etat von knapp 38 Millionen und war damit Spitzenreiter der Liga. In Deutschland hätten 38 Millionen in der 1. Bundesliga gerade einmal für Platz 8 in der Liste der größten Etats gereicht.

Red Bull gibt sicher sehr viel Geld für Sponsoring weltweit aus, muss dies aber auch auf unzählige Events verteilen. Und ein sehr großer Teil des Sponsorings wird durch eine der teuersten Sportarten überhaupt verschlungen, der Formel 1.

Hinzu kommt die schon jetzt vorhandenen Big Player in der Bundesliga. In Leverkusen wurde erst die letzten Tage bekannt das mal eben 70 Millionen locker gemacht wurden. Bayern München verfügt alleine schon über einen Lizenzspieleretat von weit über 100 Millionen.

Auch in der zweiten Sorge bezüglich der Dominanz bin ich anderer Meinung. Nehmen wir wieder die Spieleretats der Bundesliga, müssten Hamburg und Stuttgart locker die Europa League Plätze einnehmen, stattdessen rettete sich Stuttgart gerade so vor dem Abstieg und Hamburg zittert noch. Schauen wir 2 Ligen weiter nach unten ist Saarbrücken gerade trotz ziemlich potenten Geldgeber im Rücken abgestiegen.
Gute Finanzen bringen sicher die Möglichkeit gute Spieler zu verpflichten, daraus wird aber noch nicht automatisch auch ein gutes Team, das eine erfolgreiche Saison spielt.

Büchse der Pandora für Investoren

Ein letzter Punkt ist häufig, das man nun erwartet das die Investoren nach dem Leipziger Konzept die Bundesliga stürmen. Aber wie wahrscheinlich ist das wirklich?

Nun, schaut man in die internationalen Ligen, die offenere Systeme für Investoren haben, kann man durchaus feststellen, das so gut wie alle auf sehr schnelle Ergebnisse aus sind.

Wenn man nun bedenkt das in Leipzig geschätzte hohe 2 stellige Millionen Beträge erst einmal in die Infrastruktur stecken musste, man Ehrenrunden in der Regionalliga drehte und weder von dort noch aus der 3. Liga wirklich dominant Aufstieg, dürfte dies wohl für Nachahmer eher eine abschreckende Variante sein.

Im Endeffekt investiert kaum jemand so nachhaltig wie Red Bull und allein schon deswegen ist kaum zu erwarten, das viele den langen und vor allem auch risikoreichen Weg wählen, den Rasenballsport Leipzig schon bisher gegangen ist.

Da ist es am Ende wahrscheinlich wirklich einfacher einen bestehenden Verein als Hauptsponsor zu begleiten und wenn gewünscht nach 20 Jahren einfach die Ausnahmeregelung im 50+1 Konzept zu ziehen.



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